Live on stage! Theateraufführung an Haus Clee

Pfarrer Thummes und Schwester von BethanienPfarrer Thummes gab für den Gemeindebrief ein Interview zum Theaterstück „Die drei Brüder vom Brockhof oder Alle Brüder werden Menschen“. Die Fragen stellte Niels Anderson.

Herr Pfarrer, im Juni sind die Aufführungen des Theaterstückes auf der Terrasse von Haus Clee geplant. Sie selbst sind nicht nur der Autor und führen Regie, sondern agieren dabei auch als Schauspieler. Hierzu würde ich Ihnen gern einige Fragen stellen:

Wann und wie entstand die Idee zu diesem Stück?

Thummes: Bei Durchsicht unserer Archive vor ca. 8 Jahren entdeckte ich eine etwa 100 Jahre alte Abhandlung von Prof. Kirschkamp, einem katholischen Theologen und gebürtigen Waldnieler. Der Titel: „Ein Wort von katholischer Seite zu dem Buche des Pastors P. Cürlis – Die drei Brüder vom Brockhof“ weckte sofort meine Neugier, da der Brockhof – der Rittersitz der Familie von Bocholtz – sich jahrhundertelang auf dem Gebiet des heutigen Kaiserparks in Waldniel befand, also in direkter Nachbarschaft.

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Nutzten Sie noch weitere Quellen zur Erstellung des Drehbuchs?

Thummes: Nach weiteren Nachforschungen hielt ich bald vier Bücher in der Hand, aus deren Inhalt der Gesamtzusammenhang ersichtlich wurde. Das Erste heißt „Ein Beitrag zur Geschichte von Burgwaldniel“, verfasst 1896 von Prof. Kirschkamp. Es stellt die Geschichte der Familie von Bocholtz und des Brockhofes, beginnend im 13. Jahrhundert dar. Dieses Buch inspirierte den ebenfalls in Waldniel geborenen evangelischen Pastor Cürlis im Jahr 1903 zum Schreiben der Erzählung „Die drei Brüder vom Brockhof“, angesiedelt in der Reformationszeit, also dem 16. Jahrhundert. 1908 folgte die anfangs erwähnte „Buchkritik“ Prof. Kirschkamps. Den Abschluss bildet eine 8-seitige „Antwort“ von Pastor Cürlis auf diese Kritik. Was ich nun vor mir sah, war eine sehr spannende theologische Auseinandersetzung mit historischem Bezug, die sich einerseits von der Reformationszeit bis ins vergangene Jahrhundert spannt und andererseits in unserer Gemeinde angesiedelt ist.

Also ein lokalhistorisches Stück?

Thummes: Die Protagonisten von Pfarrer Cürlis‘ Erzählung „Die drei Brüder vom Brockhof“ existierten zwar wirklich, einiges im Inhalt ist natürlich Fiktion. Eine Tatsache, der wir auch die lebhafte Diskussion zwischen Pastor Cürlis und Prof. Kirschkamp verdanken, die einen aus heutiger Sicht durchaus humorvollen Touch hat und ein wenig an moderne Talkshows erinnert. In dem Theaterstück werden historische Ereignisse der Reformation am Niederrhein mit all ihrer Problematik dargestellt – auch der Humor wird nicht zu kurz kommen. Mehr möchte ich zum Inhalt allerdings nicht verraten.

In welcher Zeit ist die Handlung angesiedelt?

Thummes: Wie bereits in der Ankündigung zur Aufführung erwähnt, haben wir die drei Brüder und ihre Schwester im 16. Jahrhundert, die beiden Geistlichen im 19. Jahrhundert (der Professor und der Pfarrer) und die Schwestern von Bethanien in der Gegenwart angesiedelt. Das Stück spielt also auf drei Zeitebenen.

Wie ist das Ensemble zusammengesetzt?

Thummes: Das Team der Darsteller besteht aus „echten“ Schwestern von Bethanien, katholischen (Pastor Aymanns) und evangelischen Geistlichen, Mitgliedern des Presbyteriums, Diakonen, … – die einzelnen Rollen sind also fast mit „Profis“ besetzt…

Ensemble

In der Ankündigung sind die „sangesfrohen“ Schwestern von Bethanien erwähnt. Kann der Zuschauer musikalische Darbietungen erwarten?

Thummes: Es handelt sich zwar nicht um ein Musical, aber mehrere zeitgenössische Lieder werden dargeboten. Die Musik wird garantiert nicht zu kurz kommen.

Eine letzte Frage: Die Termine der Aufführungen (22.- 24.06.2012) decken sich mit den Viertelfinalspielen der diesjährigen Fußball EM. Befürchten Sie kein Fernbleiben fußballinteressierter Zuschauer?

Thummes: Diesem Problem haben wir im Vorfeld bereits Rechnung getragen. Alle Aufführungen enden etwa eine Stunde vor Anstoß der besagten Spiele. Man kann also problemlos beides genießen.

Herzlichen Dank für das Gespräch, und toi, toi, toi für die Aufführungen.