Kraft, Liebe und Besonnenheit – geistliches Wort in unruhiger Corona-Zeit

„Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Tim 1,7)

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht. Furcht kann zwar helfen, Risiken zu meiden, aber die Furcht soll nicht über uns herrschen. Mit jeder neuen Corona-Meldung wird die Furcht  wachgehalten oder verstärkt, auch wenn wir keine Risikopatienten sind.  Es ist wichtig, sich immer wieder die medizinischen Aussagen über die wirklichen Gefahren vor Augen zu führen, damit man nicht in Panik verfällt.

Gott hat uns den Geist der Kraft gegeben, um den großen Sorgen standzuhalten. Jesus sagt in der Bergpredigt: „Die Vögel unter dem Himmel säen nicht, ernten nicht, sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?“ (Mt 6,26-27) Unser Leben ist begrenzt und jeden Tag von vielerlei Gefahren bedroht. Gott schenkt die Kraft dazu, dennoch froh zu sein. Wir glauben, dass unser Leben in Gottes starker Hand geborgen ist und bleiben wird.

Gott hat uns den Geist der Liebe gegeben. Aus Liebe zu den Menschen können wir unser Verhalten überprüfen und Hygieneregeln beachten. Wir wollen nicht alte  Menschen und Risikopatienten durch unsere Fahrlässigkeit anstecken. Und wir können ihnen helfen, in dieser Gefahrenzeit nicht zu vereinsamen: wir können nach ihnen sehen, für sie einkaufen oder sie anrufen. Der Geist der Liebe lässt uns in dieser Zeit näher zusammenrücken, auch wenn wir Abstand zueinander halten. Der Geist der Liebe öffnet auch den Blick auf die vielen Millionen Menschen in der Welt, die nicht einmal die einfachsten Medikamente zur Verfügung haben, geschweige denn intensivmedizinische Versorgung. Auch da können wir helfen.

Gott hat uns den Geist der Besonnenheit gegeben. Er hilft, sich zu besinnen auf das Leben, das Gott gegeben hat. Wenn das gesellschaftliche Leben lahmgelegt ist, kann man vielleicht eher als sonst in Ruhe bedenken, was im Leben wirklich wichtig ist. Und für viele wird an erster Stelle die Liebe stehen. Im Glauben spüren wir, dass Gott uns liebt. Und wir spüren die Freude, die entsteht, wenn wir Gottes Liebe weiter geben.

„Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“. So leitet er uns durch die Zeiten.

Ihr

Pfarrer Harald Ulland, Assessor