Kleine Andacht zur Jahreslosung 2011 von Pfarrer Ulland

Es wäre auch ein Missverständnis, dem Bösen gegenüber die Augen zu verschließen und sich selbst einzuschließen in seine eigene kleine egoistische Wellnesswelt. Es wäre ebenfalls ein Missverständnis, das Böse mit Bösem zu bekämpfen, wodurch die Masse an Dunkelheit nicht weniger würde, sondern zunähme. Sondern: Das Böse überwinden mit Gutem. Dagegen aktiv mit geeigneten Mitteln angehen.

Wie macht man das?

Es beginnt damit, dass man das Licht erst einmal sehen will. Dass man sich nicht fixiert auf das Dunkle. Das ist manchmal eine Zumutung, weil das Böse zuweilen alles andere unterdrücken will. Manchmal ist es aber auch eine Zumutung, weil es bequemer ist, in der Fixierung auf das Böse zu bleiben. Denn wenn man der Meinung ist, dass jemand oder etwas schuld ist, und dem man dagegen auch nichts machen kann, dann braucht man ja auch selbst nichts zu machen. Für manche ist das Böse eine Ausrede, nichts Gutes selbst zu versuchen. Das nämlich ist anstrengend und kostet Gehirnschmalz, Energie und Durchhaltevermögen. 

Aber – es lohnt sich!

Das ist schon der erste Lohn, dass sich das eigene Dasein verändert, wenn man ins Licht schaut. Das kennen wir von den ersten warmen Sonnenstrahlen nach einem langen Winter: Wie angenehm es ist, das Gesicht ins helle Licht zu drehen, die Augen vielleicht geschlossen, weil es so hell ist, aber so schön, gewärmt zu werden. Wer in das Licht des Lebens blickt, der erfährt augenblicklich eine Veränderung: das Licht erreicht auch das eigene Innere. Wahrnehmen, was man hat an Gutem, dankbar annehmen, dass man zu essen hat, ein Dach über dem Kopf, alles, was das Leben bereichert, vielleicht sogar liebe Menschen um einen herum.

Erster Schritt: zu üben, dankbar zu sein, indem man wahrnimmt, was man hat. Der Lohn ist: Dankbarkeit zu empfinden. Das ist ein Lohn, denn es fühlt sich einfach gut an, wenn man Dank empfindet.

Zweiter Schritt: zu üben, das eigene Leben im Licht Gottes zu sehen. Dass wir von Gott das Leben haben, dass wir im Tiefsten gewollt sind, trotz aller Fehler und Schwächen, dass wir immer wieder neu versuchen dürfen, es besser zu machen.

Es gibt bei den Schauspielern solche, die haben immer die Rolle des Bösewichts, wie etwa der Beißer bei James Bond. Die kriegen niemals eine andere Rolle und können nie die Guten spielen. Bei Gott sind wir nicht auf die Rolle des Schwächlings und des Sünders festgelegt. Wir haben viele Möglichkeiten. So verstehe ich den Besuch Jesu beim Zöllner Zachäus: dieser öffnet jenem die Möglichkeit, die Rolle des Guten nicht nur zu spielen, sondern selbst gut sein zu können.

Also: Wenn wir Dankbarkeit einüben für die Freiheit zum Guten, die Gott uns durch Schöpfung und Vergebung schenkt, empfangen wir den Lohn, dass wir uns geborgen fühlen bei Gott und trotzdem Freiheit genießen.

Das Helle wahrnehmen, sich ins Licht stellen, wärmt das Herz. Wir werden innerlich erleuchtet und gewärmt, wenn wir den Blick auf das Licht werfen, das mit Christus in die Welt gekommen ist. Und von diesem Licht aus sollen und können wir kreativ nach Möglichkeiten suchen, das Dunkle anzugehen, das Böse zu überwinden mit Gutem.

Fangen wir im Kleinen damit an, wo wir selbst gefragt sind!

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Die Aufforderung des Paulus könnte in unserem Leben sichtbar werden,

  • wenn wir und die Hand zu einem neuen Anfang miteinander reichen, wo vorher Fäuste waren;
  • wenn wir bereit werden, zu eigenen Fehlern zu stehen und dann dafür um Entschuldigung bitten wohl wissend, dass wir keinen Anspruch darauf haben;
  • wenn wir nicht mitmachen dabei, das Böse zu vermehren, indem wir schlechte Nachrichten oder Gerüchte verbreiten;
  • wenn wir uns aktiv gegen die Not in der Gemeinde und der Welt einsetzen

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Die Aufforderung des Paulus könnte in unserem Leben sichtbar werden und unser Leben wäre ein anderes als zuvor!

Foto: Grace Winter, pixelio.de