Islamischer Religionsunterricht an Schulen

Herr Eberl, warum begrüßt die rheinische Kirche die Einführung des islamischen Religionsunterrichts als ordentliches Schulfach in Nordrhein-Westfalen?
Weil es den konfessionell verantworteten Religionsunterricht insgesamt stärkt. Manche Politikerinnen und Politiker plädieren für ein alternatives Fach Religionskunde oder Ethik. Aber religiöses Lernen geschieht im Zusammenhang von Identitätsbildung und Verständigung mit anderen. Die Frage nach Gott und dem Sinn des Lebens muss Aufgabe eines bekenntnisgebundenen Religionsunterrichts bleiben. Glaubensfragen dürfen nicht staatlichen Stellen überlassen werden.

Für die Inhalte der Religionslehre sind nach dem Grundgesetz die Religionsgemeinschaften zuständig. Anders derzeit beim islamischen Religionsunterricht in NRW: Dort ist es ein vom Staat berufener Beirat. Welche Chancen geben Sie diesem Modell?

Es kann nur ein Zwischenschritt sein. Letztlich werden die muslimischen Verbände Organisationsstrukturen schaffen müssen, wie sie das Grundgesetz im Artikel 7vorsieht. Dabei dürfte die Ausbildung an deutschen Hochschulen eine wichtige Rolle spielen. Sie ist ja ein Eckpfeiler des NRWModells.
Evangelische Religionslehrerinnen und -lehrer werden von ihrer Kirche beauftragt. Welches Verfahren gibt es für ihre islamischen Kolleginnen und Kollegen?

Das wird derzeit in den islamischen Verbänden diskutiert. Die beiden Kirchen praktizieren selbst unterschiedliche Modelle: Die katholische Missio orientiert sich stärker am bischöflichen Amtsverständnis und bindet die Unterrichtenden auch in ihrer Lebensführung, während die evangelische Vokatio die Fachlichkeit der Lehrenden und die Unterrichtsinhalte hervorhebt. Es bleibt abzuwarten, wie viel Wert die Islamverbände auf die fachliche Qualität legen und inwieweit die Moscheegemeinden Vorgaben zur Persönlichkeit und Lebensführung der islamischen Religionspädagoginnen und -pädagogen machen.

Quelle: EKiR.info, Ausgabe Oktober 2012